Zweiter Teil: Honshu

Sa, 19.8.2006:
Heute fahre ich bis Hiroshima. In Hofu (auf halber Strecke) gibt es laut den hiesigen Touristeninfos einen sehenswerten Tempel. Als ich dort ankomme ist der Tempel geschlossen. Von aussen sieht er ziemlich normal (eben wie eine ordinaere Kirche eines anderen Glaubens) aus. Ich bin enttaeuscht und will weiter. Leider hat mir mein Orientierungssinn diesmal einen ueblen Streich gespielt und ich verirre mich vollkommen in Hofu. Es dauert ueber einen Stunde bis ich endlich wieder auf der Route 2 Richtung Hiroshima bin. *genervt*
Die Strecke bis Hiroschima war ziemlich weit und der Verkehr dicht, daher wird heute nix mehr mit Hiroshima anschauen. Gott-sei-dank habe ich mir ein paar Hotels rausgeschrieben. Als ich in Hiroshima ankomme stelle ich fest, dass dies eine echte Grossstadt ist und ich keine Chance haben werde bei Dunkelheit auch nur eines der Hotels zu finden. 20 km zurueck waren ein paar Hotels am Wegesrand, dort fahre ich jetzt hin. Das erste Hotel ist schon wieder so ein Automaten Hotel. Ich habe immer noch nicht kapiert wie die Dinger funktionieren (es gibt keinen Geldschlitz oder sowas!). Frustriert gehe ich zum naechsten Hotel. Dort wird mit fett ins Gesicht gesagt: "For Japanese only!". Ich hab erst gedacht wir haetten hier ein Missverstaendnis, aber es stellte sich heraus dass er sehr wohl der englischen Sprache maechtig war und ganz genau meinte was er sagte. Ich war stinkesauer ueber so einen direkten Rassismus. Als er wieder in seinem Kabuff verschwand habe ich ihm direkt vor die Tuer gepinkelt und bin dann abgehauen! So ein Wixer!
Dann fand ich ein vielversprechendes Hotel mit dem Namen "Aligator". Es scheint ein Surfer Hotel zu sein. Irgendwie ist alles gestyled und gefaellt mir. Allerdings haben sie ein merkwuerdiges Preissystem. Je spaeter man kommt, desto billiger wird es, aber auch desto geringer die Wahrscheinlichkeit noch ein Zimmer zu bekommen. Da mir der Preis jetzt noch viel zu teuer war beschliesse ich auf irgendeinem Parkplatz zu warten und es dann spaeter nochmals zu versuchen (wenn es billiger ist). Und dann finde ich 500m weiter einen kleinen Parkplatz direkt an einem 50m breiten Strand.
Wer braucht da noch ein Hotel!?! Ich hab sofort angehalten, mir ne Badehose geschnappt und bin ins Wasser gejumpt. Super Geil! Spaeter kamen dann noch ein Haufen Partyvolk vorbei und habe sich dort die Kanne gegeben. Da ich jedoch niemanden dort verstand habe ich mich irgendwann in mein Auto zurueckgezogen und dort gepennt. Am Strand schlafen ging leider wegen der Leute und den vielen Krabben nicht.

So, 20.8.2006:
Am naechsten morgen noch ein kurzes Morgenbad und dann weiter.
Laut Reisefuehrer soll es kurz vor Hiroschima (also hier!) eine wunderschoene Insel namens Miyajima geben. Also nix wie hin, denn genau da ist auch mein Uebernachtungslager gewesen. Mit einer Faehre auf die Insel. Dort erwarten einen erstmal zahme Rehe. Die Viecher stinken ein wenig, sind aber wirklich total zahm (nur die Hirsche soll man in Ruhe lassen!). Erstmal den wunderschoenen Itsukushima Schrein anschauen. Dann das von vielen Postkarten bekannte Ohtorii Tor. Und dann sehe ich wie die ganzen Touries in eine Seilbahn steigen um auf den 2.5km entfernten und 530m hoch gelegenen Mount Misen Gipfel zu kommen. Da dieser mitten in wunderschoener Natur liegen soll, packt mich der Ehrgeiz und ich mache den Aufstieg zu Fuss! Au man, das war wirklich sehr harte Arbeit! Nix fuer Rollstuhlfahrer! Auf halber Strecke geht mir nicht nur die Puste, sondern auch die Getraenke aus. Bergsteigen (es war ziemlich steil!) bei 37 Grad ist schon mit Wasser nicht leicht, aber ohne!? Dann sehe ich eine Quelle und stuerze mich auf sie wie ein Gestoerter. Im letzten Moment dieses kurze zoegern: Ob man das Wasser wohl trinken kann? Doch dann wurde mir klar, dass ich hier an einem Gebirgsquell auf einem heiligen Berg bin! Wenn es irgendwo eine Definition von kaltem, klarem Wasser gibt, dann wird daneben das Bild dieser Quelle abgebildet sein! Das Wasser war wirklich gut. Unterwegs gab es noch zwei solcher Wasserstellen und ich kam ziemlich erschoeft und verschwitzt oben an. Runter bin ich dann aber doch gefahren... Am Tempel gab es neben tausenden von Tourishops auch ein paar Staende mit japanischem Fastfood. In (suessen) Teig gehuellter Fisch, in Fett gebraten und mit Kaesefuellung. Super klasse! Sowas sollten wir importieren!
Die Bilder sprechen fuer sich:


Dannach gings weiter nach Hiroschima. Der Peace Memorial Park war nicht zu verfehlen, denn er lag genau im Zentrum. Und wie sich waehrend des Rundganges herausstellte lag er auch genau im Zentrum des Atombombenabwurfes (nein ich leuchte nicht im Dunkeln!). Um ein wenig mehr zu verstehen habe ich mir einen Audioguide mitgenommen. Die Bilder und Praesentationen waren ziemlich schockierend. Obwohl ich ja eigentlich eher fuer meine voellige Abwesenheit von Gefuehlen bekannt bin (Kosename "Gullideckel"!), kamen auch mir an der eine oder anderen Stelle die Traenen. Und als dann nacheinander mehrere verbrannte Kinder im Detail gezeigt wurden wurde es mir zuviel und ich habe sie ausgelassen. Das ging mir zu weit...
Dannach fahre ich noch nach Okayama, wo ich fuer zwei Tage ein Hotel reserviert habe. Von hier aus will ich morgen die Gegend erkunden bevor ich weiter Richtung Norden fahre. Ich habe sofort geduscht und alle Sachen gewaschen (war echt noetig nach den Strapatzen!). Und ich habe endlich eine Moeglichkeit gefunden meine Akkus aufzuladen. Ansonsten haette ich naemlich ab morgen keine Bilder mehr machen koennen...


Mo, 21.8.2006:
Heute bin ich viel gefahren und wenig angekommen :(
Von Okoyama aus bin ich an die Westkueste nach Matsue aufs "Land" gefahren. Die Landschaft war toll. Leider waren die Strassen alle einspurig und man hatte immer Schnarchnasen mit Temp 40 vor sich. Mit dem Motorrad waere das sicherlich noch etwas besser geniessbar gewesen...
Nach 4 Stunden war ich in Matsue angekommen. Dort liegt Matsue-jo, die Residenz der Shogun waehrend des 17. Jhd. Verglichen mit Kuamamoto war die Festung eher winzig. Es stellte sich auch heraus, dass diese "Residenz" nur im Kriegsfall von den Shogun als letzte Festung benutzt wurde. Daher war sie wenig prunkvoll und eher praktisch gebaut, als Watchtower mit Einblick ueber die ganze Region/Stadt. Ausserdem hatte die Festung bisher nie einen Angriff erlebt und war daher noch im Orignialzustand (und hat daher besonderen historischen Wert).
Mich persoenlich haben die alten Shogun-Ruestungen und Helme fasziniert.
Auch interessant, das Hakenkreuz hatte damals offensichtlich eine andere Bedeutung. Ich kannte es bisher nur als Keltisches Symbol und als Nazi Symbol. Das die alten Japaner es auch mit anderer Bedeutung nutzten war mir bis dato unbekannt.

Direkt neben der Festung gab es noch einen Shinto Tempel und ein Museum mit altaeglichen Dingen der Japaner von 1930 bis 1950. Unter anderem die ersten Mangas und ein Supermann Comic von 1933.

Dannach wollte ich noch eine Samurai Siedlung in Matsue anschauen. Leider konnte ich sie nicht finden. Vermutlich war sie unter einem anderem Namen ausgeschildert als in meinem Reisefuehrer. Schade, denn eines der Haeuser soll auch von innen begehbar sein. Und ich haette das doch gerne mal gesehen...
35 km westlich von Matsue befindet sich der aelteste Shinto Schrein Japans. Diesen habe ich auch ausfallen lassen muessen, da es bereits anfing zu daemmern und ich noch 4 Stunden Rueckfahrt vor mir habe. Erstaunlicher Weise ist es hier immer schon um 19:00 voellig Zappenduster (weiss jemand woran das liegen kann?). Bei Nacht macht diese Strecke richtig Spass, weil man weniger Schnarchnasen vor sich hat, und weil Tempo 80 bei voelliger Dunkelheit schon viel anspruchsvoller und interessanter sind als am hellen Tag. Es war trotzdem sehr anstrengend heute und ich bin hundemuede...
Zum Abschluss noch ein paar Schnappschuesse die ich wahrend der Fahrt gemacht habe:
Mir fiel auf, dass die Japaner ihre Haeuser und Staedte irgendwie viel besser in die Natur integrieren als wir. Allerdings bin ich mir nicht sicher woran das liegt, am geeigneteren Klima oder an japanischer Naturverbundenheit!?
Auch diese Strasse liegt irgendwie in der Natur, nicht wie bei uns neben der Natur. Ich sollte darauf hinweisen, dass beide Bilder nicht besonders ausgewaehlte Motive haben. Hier sieht einfach alles so aus! :)
Montags 14:00 und der hat nichts besseres zu tun als zu angeln. Toll!
Keine Ahnung was dieser mehrere Meter hohe Metal Ogre da auf dem Haus mitten im nirgendwo an einer Landstrasse macht. Sieht aber cool aus!
Dabei faellt mir noch ein, dass zwei der Bilder von den Mt. Misen Tempelanlagen den einzigen Ogre Tempel der Welt zeigen. Schon komisch was die Japaner alles verehren...

Di, 22.8.2006:
Heute werde ich zu Fuss die Sehenswuerdigkeiten direkt in Okayama erkunden und dann abends nach Himeji in mein naechstes Hotel fahren. Seit gestern habe ich einen Hotelfuehrer mit preisguenstigen "Choice Hotels" (weltweite Billighotelkette). Damit duerfte das Hotel Problem Vergangenheit sein... :)

Wie jede Japanische Stadt die was auf sich haelt hat auch Okayama eine Festung, Okayama Castle. Der Volksmund nennt es aber auch "U-jo" was soviel wie "Kraehen Festung" heisst. Grund ist die tiefschwarze Faerbung durch das verwendete Holz. Die Kombination von goldenen Verzierungen mit schwarzem Holz sieht ziemlich gut aus. Hier die Fotos dazu:

Im Castle war eigentlich fotografieren verboten, daher musste ich immer ein wenig versteck spielen mit der strengen alten Fuchtel...
Vom Castle aus hat man (oder eher hatte der Fuerst) einen direkten Blick auf die Korakuen, eine Garten Insel. Diese gehoert wie auch der Mount Misen zu den geschuetzten Schoenheiten des Landes:

Zum Abschluss noch ein Bild fuer meine Schwester Birgit (falls sie es jemals bis hier auf die Seite schaffen wird). Sie ist naemlich Teddy-Fan:


Mi, 23.8.2006:
Heute morgen bin ich gleich in die Himeji Festung und anschliessend in die Kokoen (Samurai Gaerten). Himeji ist wirklich eine der schoensten Festungen, ganz in Weiss-Gold gehalten. Es war wie immer wunderschoen, nur langsam habe ich genug von Festungen und Gaerten. Aber jetzt geht ja auch bald der modernere Teil der Reise los (die Grossstaedte).
Hier die nachgelieferten Bilder:




Nachdem ich in Himeji mit Sightseeing fertig war bin ich weiter um mir in Kobe Chinatown anzusehen. Als ich jedoch langsam registrierte, dass Kobe viel groesser ist als ich erwartet habe, verwarf ich diesen Plan und bin direkt weiter nach Osaka. Nicht das Osaka kleiner oder uebersichtlicher waere, aber dort muss ich erstmal nur mein Hotel finden und kann dann den Rest per Metro erledigen. Zu meinem entsetzen musste ich jedoch feststellen dass Kobe, etwa ein halbes dutzend weiterer Staedte und Osaka eigentlich eine riesige Stadt sind (und es wuerde mich nicht wundern wenn das in Richtung Kyoto genauso weiter geht!). Wenn nicht ab und zu Schilder auf den neuen Stadtnamen hingewiesen haetten, dann haette ich nicht bemerkt dass ich die Stadt gewechselt habe. Es waren von Kobe bis zu meinem Hotel ueber 50km (!!!) reine Stadt in jeder Richtung bis zum Horizont! (Spinnen die!?!) Ich hab echt Muffen-Sausen bekommen. Ich dachte schon ich wuerde nie wieder hier raus finden geschweige denn irgendein Hotel finden. Irgendwie dachte ich immer an meine Grabsteininschrift: "Verirrte sich ueberall - in Japan das letze Mal!" Naja, nachdem ich mich dann sklavisch an die Wegbeschreibung des Hotelfuehrers gehalten habe, hat es nur noch 2 Stunden gedauert bis ich das Hotel gefunden habe und eine weitere Stunde bis ich dann auch noch das zugehoerige Parkhaus (10min Fussweg!) fand! Aber jetzt bin ich hier fuer die naechsten 3 Tage und werde mal versuchen ob ich etwas von dieser Metropole geniessen kann. Insbesondere ob ich irgendwelche Sachen ueber Roboter finde, denn Osaka ist die Roboterforschungs-Haupstadt der Welt, und Robotik ist schliesslich ein altes Steckenpferd von mir. Bis jetzt bin ich froh wenn ich mich in diesem Vietel nicht verlaufe und das Hotel wiederfinde. Von der ganzen Stadt ist da noch nix in Reichweite. Aber zuerueck ist immer leichter, denn im Notfall kann ich mir ein Taxi nehmen (die Hoteladdresse sollte man immer in japanisch dabei haben!). Wir werden ja sehen...


Do, 24.8.2006:
Da ich (wie bereits erwaehnt) ein grosser Roboterfan bin, werde ich heute versuchen an der Univeristaet von Osaka einen Blick auch die sensationellen gehenden Roboter zu erhaschen. Natuerlich habe ich keinen Termin, um genau zu sein ich habe nicht einmal eine Adresse...
Im WWW habe ich mir ein paar Laboratories rausgeschrieben. Sie scheinen alle an der gleichen Stelle der Uni Osaka zu sein, also nix wie hin. Wie ich festetellen muss liegt die Uni ziemlich ausserhalb, so dass ich schon ueber eine Stunde mit Metro und Monorail brauche um ueberhaupt dorthin zu gelangen. Dann stellte sich ausserdem heraus das die Adresse die ich habe eher eine glabale Uni Adresse ist (so wie "Oberer Eselsberg"). Damit komme ich nicht weit...
Zu meinem Glueck sprechen hier fast alle englisch, so dass ich mir den Weg erfragen kann. Am Ende lande ich bei einer Sekretaerin, die mir die genaue Adresse raussucht und auf einer kleinen Map anzeichnet :)
Ich gehe dorthin und bekomme kurzfristig einen Termin bei Professor Furusho. Wir stellen uns kurz vor und er erleutert mir was sie gerade forschen und drueckt mir ein paar Dokumente in die Hand. Leider hat der Professor wegen anderen Terminen wenig Zeit, aber er bringt mich in sein Lab und weisst mir einen jungen Assistenten namens Take zu.
Aktuell forschen sie an einem Gel welches durch Spannungsaenderung die Konsistenz aendert. Dadurch kann man (Tast-)Druck simulieren und an den User weitergeben. Sie hatten einen Prototypen da mit dem man ein paar Gegenstaende in einer virtuellen Welt ertasten konnte. Ich konnte spueren wenn ich Kontakt mit dem virtuellen Gegenstand hatte und konnte ihn nur mit Gewalt durchdringen.
In den japanischen Labs scheint es offiziell keine Grundlagenforschung zu geben, also wurde dem ganzen Projekt ein praktischer Nutzen uebergestuelpt. Sie wollen damit Apparate zur Muskeltherapie herstellen. Ich fand diese Anwendung stark limitiert, aber das habe ich mal fuer mich behalten. Ich glaube dass man damit viel mehr machen kann. Ein derartiges Gel kann genutzt werden um Tastdruck zu spueren und weiterzuleiten, um Virtual Reality physisch wirken zu lassen (Tast-Feedback) oder auch um kuenstliche Gelenke (Roboteraktore) kurzzeitig in einer Stellung einzufrieren (fuer mehr Stabilitaet beim Halten einer Stellung).
Nach der Vorfuerung und Erleuterung ihres Prototypen fragte ich Take noch, ob er wuesste wo ich die "Legged Robots" finden wuerde. Er schaute mich irritiert an und meinte, ja diesen alten Kram haben sie auch noch irgendwo. Er fuehrte mich in eine Art Technik Lager (oder eher Abstellkammer fuer technisches Geruempel). Darin waren unter Bergen von Kabeln auch ein 4-beiniger Roboter namens "Pony" und ein 2-beiniger Roboter (desssen Namen er nicht mehr kannte, war vor seiner Zeit). Meine Augen fingen an zu glaenzen und ich machte ein paar Fotos. Irgendwie taten mir diese vergessenen Roboter leid (wenn ich ehrlich bin sogar mehr leid als die Hundebabies in den Puppyshops!). Ich haette sie am liebsten adoptiert...
Dannach habe ich mich hoeflich verabschiedet und bin zurueck nach Osaka City.
(So jetzt kann ich die Fotos endlich nachliefern... Dieser PC hier funktioniert gut!)



In Osaka habe ich dann mal das Osaka-jo (Castle) angeschaut. Es ist riegig gross, und hat ein modernes Museum innen drin. Unter anderem gab es eine Art Hologramm Szenerie, welches die Geschichte des Castles kindergerecht zeigt. Dabei werden real gefilmte Szenen in Szenenmodelle reinprojeziert. Wirklich gut gemacht!


Ausserdem kann man sich dort in Samurai (oder eher Shogun-) Outfit fotografieren lassen. Hier merkte man wieder einen kulturellen Unterschied. Die Japaner vor und nach mir haben irgendwie nicht richtig mitgespielt (zu viel Angst sich zu blamieren!?), waehrend ich mich richtig in meine Rolle als Shogun reingesteigert habe. Ein Kampfschrei und etwas grimmiges Knurren musste da schon drin sein! Folglich habe ich auch Applaus vom halben Museeum bekommen. Es geht doch nichts darueber sich ab und zu mal richtig zum Narren zu machen (und dafuer auch noch zu 2 Euro zu bezahlen!). Hat einmen Haidenspass gemacht und der Fotograph hatte offensichtlich auch Spass daran mal mit einem weniger langweiligen Gast eine Fotosession zu machen...



Fr, 25.8.2006:
Die wichtigsten Sachen in Osaka habe ich bereits gesehen. Es fehlt noch Den-Den-Town, eine Einkaufsmeile die auf Technikkram spezialisiert ist. Klingt wie ein feuchter Maennertraum... und liegt passender Weise auch am Rande des Vergnuegungsviertels und damit nur einen 5 Minuten Fussmarsch von meinem Hotel (ja, nicht gerade die beste Gegend zum wohnen...)!
Ansonsten werde ich heute ausnahmsweise mal nix tun ausser faul in meinem klimatisierten Zimmer rumgammeln und einen Science-Fiction lesen. Ich brauche einfach mal einen Tag Urlaub von meinem Urlaub... und auch meine Fuesse brauchen dringend mal Ruhe...
Den-Den-Town ist tatsaechlich die Realisierung eines feuchten Maennertraumes! Etwa 2km lang zieht sich eine Einkaufsmeile mit Geschaeften fuer Maenner. Audiofachgeschaefte, DVD & CD Shops, Manga Laeden, Sexshops (fuer deutsche Verhaeltnisse ziemlich pruede...), Computerlaeden, Technikshops, ... alles was ein Maennerherz begehrt. Man(n) sollte nur besser die Checkkarte zuhause lassen, sonst koennte es teuer werden. Nur die erhofften Roboter Speziallaeden habe ich nicht gefunden, aber ich haette ja sowieso nix kaufen koennen (Motorrad durch Australien!?!)! :(

Im zweitletzten Bild sieht men einen reinen Gluecksspiel-Automatenladen. Dort gibt es sowas wie Kaugummi Automaten in denen man iPods und Co gewinnen kann. Dort gab es auch Reizwaesche, allerdings frisch. Das kam bisher am naechsten an den Automaten mit gebrauchter Damenunterwasesche, aber ich gebe die Suche nicht auf...

Sa, 26.8.2006:
Heute gibt es wieder ein paar huebsche Samurai Gaerten & Co. Erst zur Horjuji Tempelanlage. Diese besteht aus 3 Teilen: Saiin Garan, Daihozoin und Toin Garan. Und weil man an Touristen so gut verdienen kann, haben ein paar kluge Geschaeftsmaenner dahinter noch einen aktiven/aktuellen buddhistischen Tempel gepackt. Fuer den die Touristen dann auch brav nochmal 500Yen (3,50Euro) hinblaettern, obwohl es dort eigentlich gar nicht zu sehen gibt.


Zu den alten Steinfiguren (4tes Bild von oben) hoerte ich eine nette Story von einer Touristenfuehrerin: Der dort abgebildete Heilige "Haste-nicht-gewusst" soll nach seinem Tode ins Nirwana gegangen sein. Solange er dort ist wird er schuetzend ueber uns wachen. Nach knapp 5.000.000.000 Jahren soll er von dort wieder zurueck kehren. Bis dahin sind wir also geschuetzt...
Ich konnte mir den Kommentar einfach nicht verkneifen: Wieso zur Hoelle laesst der uns gerade dann im Stich wenn wir ihn am dringensten gebrauchen koennten, naemlich wenn die Erde (in 5 Mrd Jahren) in die Sonne stuerzt?
Vielleicht ist das jedoch auch ein Hinweis dass das Nirwana in der Sonne ist!?! Nur woher wusste der das damals und wie hat er derartig grosse Zahlen angegeben (wirklich mit einer 13 stelligen Zahl?!?). Sehr suspekt diese Geschichte...

Und dann ab nach Nara. Dort gibt es den Nara Park in dem viele Tempel und Schreine zu sehen sind. Und in dem zahme Rehe sind. Auf zwei Bildern koennt ihr sehen wie sie eine Touristin berauben weil diese offensichtlich was zu essen hat. Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch gut lachen und habe amuesiert die Kamera drauf gehalten. Kurz spaeter stand ich an einem 1m breiten und tiefen Graben und ass ein Eis. Ein paar Rehe auf der anderen Seite bemerkten das, aber ich fuehlte mich hinter dem Graben sicher und ass ihnen genuesslich etwas Eis vor... Bis sich dann eines der gefoppten Rehe dachte, dass dieser Graben doch eigentlich gar kein Hindernis ist und drueber sprang. Und etwa ein dutzend weiterer Rehe folgte. Sie rieben sich an mir, zupften an meiner Kleidung und schleckten mich ab. Irgendwann habe ich dann um frei zu kommen den Rest der Eiswaffel weggeworfen. Dannach stank ich nach Reh und fuehlte mich irgendwie beraubt! Leider habe ich den Fotoapparat nicht zur Stelle gehabt...

Ich bin nur zu dem bekanntesten Tempel, dem Todaiji Tempel gegangen. Dieser stellt das groesste Heiligtum (in jedem Sinne) der Buddhisten dar. Der Tempel ist gigantisch gross und hat eine riesige schwarze Buddhastatue die im Lotussitz dahockt und den Spockgruss mit der rechten Hand zeigt (er war also vermutlich Vulkanier!). Die Statue ist aus dem 7.Jhd, aus Bronze gegossen, wiegt 625t und ist 16m hoch (jedes davon war fuer die damalige Zeit eine echte Meisterleistung!). Leider erkennt man auf den Bilder oft sehr wenig, weil die Tempel immer sehr schlecht ausgeleuchtet sind und der Blitz bei diesen Groessenordnungen einfach verloren war. Aus diesem Grunde hab ich von zwei Bildern mal ein invertiertes Bild mit abgebildet. Dort erkennt man die Buddhastatue recht gut drauf:

Auf einem der Bilder kann man ein Kind sehen dass durch ein Loch in einer Saule kriecht. Offenbar bringt das dem Kind Glueck, und daher musste das auch jedes Kind hier tun - egal ob es das wollte oder nicht!
Auf dem letzten Bild sieht man eine teilweise rot bekleidete Statue. Der dort abgebildete Heilige soll enorme magische Heilkraefte haben, die auch nach seinem Tode wirken. Wenn man einen Koerperteil von ihm streichelt und dann denselben bei sich beruehrt, dann soll dieses Koerperteil geheilt werden. Der Rote Ueberzug ist vermutlich an Stellen wo die Statue schon kaput gestreichelt wurde. Dieses Ritual soll auch mit jedem Bild des Heiligen funktionieren. Ich habe es gleiche mal mit meinem Wunden Zeh probiert, aber bis jetzt hat sich da noch nix gebessert. Vielleicht muss ich erst zum Buddhismus konvertieren. :(

Und dann weiter nach Kyoto in mein naechstes Hotel. Zu meinem Glueck liegen alle diese Ziele an einem Highway, der direkt neben dem Hotel in Osaka vorbei fuehrt. Das sollte sogar ich finden koennen... hoffe ich...
Leider stellte sich heraus, dass mein Hotel schon ausgebucht ist. Am Wochenende scheint immer halb Japan unterwegs zu sein, so dass man da schon etwas suchen muss um ein Hotel zu finden. Naja ich habe dann doch noch ein Hotel gefunden. Es ist nur geringfuegig teurer und macht eigentlich den gleichen Eindruck wie die bisherigen Hotels.
Als ich dann jedoch auf meinem Bett sass und weiter an meinem Science-Fiction las, sah ich was aus dem Augenwinkel vorbei schleichen. Ich nahm sofort einen Aschenbecher und fing das Viech ein:

Netter Zimmergenosse... und der hat bestimmt auch noch ein paar Freunde und Verwandte die unter meinem Bett eine Party feiern! Ich hab sofort alle meine Sachen vom Boden genommen und auf Moebel gestellt, dann mein Bett genau inspiziert und per Telefon nochmal versucht ein Zimmer im Kyoto Comfort Inn zu bekommen (und fuer Sonntag und Montag erfolg gehabt!).

So, 27.8.2006:
Ich habe mich morgens bei der Hotel Direktion ueber die Kakerlake beschwert, aber das schien fuer die keine Neuigkeit zu sein. Allerdings war ich etwas ueberascht, dass im Preis kein Fruehstueck inbegriffen war, wobei ich auf Kakerlaken-Cornflakes auch eigentlich verzichten kann. Und der preiswerte 24h Parkplatz machte um Punkt 24 Uhr einen Reset, so dass ich fuer zwei Tage zahlen musste, was dann 3000 Yen (20 Euro!) macht. Damit war dieses Hotel nicht nur ekelig sondern auch teuer! Ich fuehlte mich ziemlich uebers Ohr gehauen...
Dann bin ich bis 15:00 zum Sightseeing gegangen (weil erst dann Check-in Time in den Hotels ist).
Kyoto ist genau wie Nara eine der Gruendungsstaedte Japans. Jedoch war Kyoto die erste Haupstadt und daher die Residenz des Shoguns und spaeter auch des Kaisers. Daher wimmelt es in Kyoto von Tempeln, Schreinen, Gaerten, Festungen und anderen Sehenswuedigkeiten. Ich musste gut auswaehlen, denn man kann unmoeglich alles anschauen. Zuerst bin ich zum Ginkakuji Tempel, dem sogenannten "Silbernen Pavilion". Im Bus habe ich Jeniffer aus Texas kennengelernt. Sie ist Literaturstudentin und seit einer Woche auf Tour durch Japan, hat jedoch in Tokyo begonnen. Wir sind dann gemeinsam durch die Gaerten des Silbernen Pavilions, dann den Pfad der Philosophen gen Sueden und dann durch den Eikandoji Tempel. Irgendwie haben wir beide nicht viel gesehen, weil wir die ganze Zeit geredet haben. Ich vermute wir hatten beide das Beduerfnis mal mit jemand Westlichem zu reden. Aber wir haben trotzdem hin und wieder ein Foto gemacht, dann wenn das auch alle anderen Touristen gemacht haben:

Am Pfad des Philosophen gab es eigentlich nix zu sehen, ausser einem Teddybaerpaar beim Angeln. Sympatisch diese Philosophen! :)
Dannach haben wir uns noch ein paar Reisetipps gegeben, sie hat mir erklaert wo wir gerade sind (ich hatte von meinem Orientierungssinn erzaehlt) und sind dann getrennter Wege weitergegangen.

Ich habe mir dann noch den Kiyomizu und Nanzenji Tempel angesehen:

Interresant fand ich auch diese Gruppe von Gymnasiastinnen die gegen irgendwas vor dem Tempel demonstrierte. Ich habe keine Ahnung wogegen, und sie konnten es mir auch nicht erklaren (kein Englisch), aber es war einfach huebsch anzusehen...

Ich weiss, ich bin ein Schwein, na und!?
Vielleicht sollte ich noch generell etwas zum Thema Schuluniformen sagen. In Deutschland sind Schul(medchen)uniformen eher eine Art Fetisch, der von huebschen jungen Frauen zur Show getragen wird (wirklich sehr verfuehrerisch!). Aber hier in Japan sind leider fast immer kleine kichernde Maedchen in den Klamotten. Das nimmt einem wirklich den ganzen Spass daran :(

Dannach ging es dann nach Gion, eine Art historisches Vergnuegungsviertel. Dort rennen (zur richtigen Zeit, gegen Mittag!!!) jede Menge Geishas rum. Auch erstaunlich fand ich das enorme Polizeiaufgebot in dieser Gegend. Auf dem mittleren Bild sieht man eine kleine Strasse im Gion Viertel, auf der vielleicht 5 Autos platz haben. Und man sieht knapp 20 Polizisten (alles was hellblau ist) die den Verkehr regeln! (Die tun das wirklich!) Ich vermute in diesem Fall, dass sie Praesenz zeigen sollen, damit kein dummer Tourist auf die dumme Idee kommt eine Geisha zu belasetigen. Allerdings frage ich mich dann warum es dort auch Stundenhotels gab!?...



Mo, 28.8.2006:
Fuer den zweiten Tag gab es hier im Comfort Inn keine Einzelzimmer mehr, also habe ich (um nicht wieder mit Kakerlaken kaempfen zu muessen) in ein Doppelzimmer gewechselt. Man goennt sich ja sonst nix... Nein es war nur wenige Euro teurer und ich hatte echt keinen Bock jetzt wieder ein Hotel zu suchen.
Heute habe ich den restlichen Teil von Kyoto abgeklappert. Angefangen habe ich mit dem Ryoanji Tempel. Dies ist einer der ersten (wenn nicht sogar der wichtigste) Zen Garten. Also ein paar Steine auf einem grauen Kiesbett und darum herum gerechte Linien, aber auch ein paar schoene Teiche mit Seerosen:

Also ich hab mir wirklich Muehe gegeben dort Weisheit zu erlangen...
Dann habe ich allerdings festgestellt dass hier wohl die meisten ziemliche Probleme haben dies zu schaffen. Dann habe ich fast lachen muessen, denn die Situation fand ich einfach zu skuril.
Ich denke ich habe jetzt eine Weisheit mehr:
Durch das Anstarren von Steinen, und seien sie auch aus Meisterhand vor 700 Jahren so platziert worden, erlangt man keine Weisheit!
Ich gebe zu, dass man durch Meditation durchaus zu Einsichten gelangen kann, aber mit 50 wuzelnden, fotografierenden, und redenden Touristen um einen herum kann das kein normaler Mensch!
Mein Tipp falls ihr mal dorthin kommt: Spart Euch die 500 Yen (3,50 Euro) und lest stattdessen ein kluges Buch oder redet mit einem Menschen ueber irgendwas wichtiges. Das bringt mehr als Steine anstarren!
Ok, genug Sarkasmus...

Dannach schaue ich mir den Goldenen Pavilion an. Dieser gehoert wohl zu den meist fotografierten Gebaeuden Japans. Er hat eine interessante Architektur, denn jedes Stockwerk ist in einem anderen Stil entworfen worden. Unten Shinde-zukuri (was auch immer das ist), dann Samurai Stil und dann Zen Stil. Aber vermutlich bemerkt das sowieso niemand hier, weil er nunmal vergoldet ist und daher einfach ein huebsches Foto abgibt:



Im Anschluss fahre ich dann zum Daikokuji Tempel. Allerdings gab es dort nicht viel zu sehen:



Wesentlich interessanter war da schon der Nijojo, die Residenz des Shogun. Innen war leider ueberall fotografieren verboten. Bei einem Eintrittspreis von 600 Yen (4 Euro) hatte ich da aber kein Verstaendnis fuer, so dass ich ein wenig Katz-und-Maus mit den Waechtern gespielt habe. Kam nicht viel dabei raus, weil ich natuerlich keinen Blitz nehmen konnte, aber besser als gar nix...
Leider wurde der See gerade wegen Reinigungsarbeiten abgepumpt, so dass es statt einem huebschen Shogun-Garten nur huebsche Baeume in gruenem Morast gab.

Amuesant fand ich auch die Beschriftungen der Geisha Puppen um den Shogun herum (4tes Bild). Die vorderste war mit "Lady of Interest" beschriftet, die dahinter mit "2nd Lady of Interest". Shogun muesste man sein!

So morgen geht weiter gen Norden nach Fukui. Dort soll es ein interessantes, aktives Zenkloster geben.

Di, 29.8.2006:
Ich habe gerade auf meiner Strassenkarte entdeckt, dass in Fukui ein Strand ist! :)
Das klingt fuer mich sehr verlockend, genau das was ich jetzt gerne machen wuerde. Ausserdem habe ich noch ein paar Tage in Reserve die ich nicht unbedingt in Tokyo verbringen moechte, da meine bisherigen Bekanntschaften mit japanischen Grossstaedten nicht so berauschend waren. Da es dort kein Comfort Inn Hotel gibt und Fukui (Westkueste) wohl eher zum laendlichen Bereich zaehlt, ist es gut moeglich dass ich in den naechsten Tagen keinen Internet Zugang haben werde. Also macht Euch keine Sorgen wenn ihr ein paar Tage nichts von mir hoert; Ich liege vermutlich faul in der Sonne und versuche meine T-Shirt-Braeune weg zu bekommen in dem ich meinen weissen Bauch und Beine der Sonne preis gebe... :)

...

So nun bin ich endlich mal wieder online...
And diesem Abend komme ich tatsaechlich an einem Strand in Koshino in der Naehe von Fukui an. Es ist nicht luxurioes oder besonders schoen, aber es ist ein Sandsstrand. Ausser mir vielleicht 5 andere Gaeste, vermutlich alles Einheimische. Es hat knappe 30 Grad und das Wasser ist leicht kuehl - genau richtig! :)
Ich hab mir sofort die Badehose angezogen und ein wenig geplanscht. Dann mit Sonnencreme eingecremt und den Science-Fiction "Timescape" zuende gelesen. Leider bin ich dabei irgendwann eingepennt und habe jetzt einen gehoerigen Sonnenbrand auf dem Ruecken. Naja, zumindest weiss ich dass die Sonnencreme gut funktioniert, denn ich habe nur auf dem Ruecken (den ich ja logischer Weise nicht eincremen kann!) Sonnenbrand. Bei Anbruch der Dunkelheit (19:00) habe ich dann das Zelt aufgebaut. Da es wohl kaum regnen wird habe ich nur das Innenzelt als eine Art Moskitonetz aufgebaut. Funktioniert ganz gut - ich hoere zwar dass die Viecher mich gerne auffressen wuerden, aber sie kommen nicht an mich ran :)

Mi, 30.8.2006:
Ich wache auf weil es anfaengt leicht zu nieseln. Ich werfe kurz lose die Aussenzeltplane ueber das Innenzelt und genau in der Seklunde bricht eine Art warmer Monstermonsun hier los! Ich konnte mich gerade noch in mein Zelt retten. Hab versucht die undichten Stellen von innen abzudichten und hab die Aussenplane am Innenzelt festgeknotet damit sie nicht wegfliegt. Es funktioniert nicht 100% aber meine Sachen bleiben groesstenteils trocken. Sobald die Sonne wieder auftaucht baue ich das Zelt dann doch richtig auf. Inzwischen haben auch ein paar Einheimische mein Zelt entdeckt, aber sie sind alle freundlich. Also mache ich mir keine weiteren Sorgen (Landstreicherei, wild campen...) und mache es mir bequem. Habe dann den kompletten Tag in der Sonne "rumgefault" (das Wort trifft es am besten!). Und immer wenn es mir zu warm wurde habe ich wieder ein wenig geplanscht! Es war wunderschoen!
Abends vorm Heia gehen habe ich noch ein Nachtschwimmen gemacht. Aber das war wohl keine gute Idee. Ich hatte auf einmal das Gefuehl als ob ich in Brenneseln gefasst haette. Mir war instinktiv klar dass ich gerade von einer Qualle angefallen worden bin. Bin dann in einem bogen ans Ufer geschwommen. Mein Arm sah tatsaechlich aus wie mit Brenneseln gepeitscht. Erst wurde ich nervoes, weil es ja auch ziemlich giftige Quallen gibt... Aber nach einer Stunde hoerte die Schwellung schon wieder fast auf, und man sieht nur noch wie die Qualle mich "gepeitscht" hat.



Do, 31.8.2006:
So noch ein letztes mal Schwimmen und dann auf nach Osten nach Eiheiji. Dies ist ein aktiver Zen Tempel, in dem man (gegen Bezahlung) auch mitleben darf. Ich schau mir das mal an und werde dann entscheiden ob ich das mache oder nicht...

Ok. Ich habe mir die Sache angeschaut. Dieser Zen Tempel praktiziert die "Meditation des langen Sitzens". Man steht frueh auf und meditiert erst mal eine Weile. D.h. man sitzt ein paar Stunden regungslos rum, bekommt japanisches Gebrumme zu hoeren und bekommt den Bambusstock zu spueren wenn man nicht still sitzt. Dann wird hart gearbeitet und hin und wieder meditiert oder gebetet (beides natuerlich im Schneidersitz). Und dafuer soll man dann 75 Euro pro Tag zahlen (das ist doppelt so viel wie ein normales Hotel hier!).
Noe danke! Ich glaube zwar dass das eine interessante Erfahrung und Gelegenheit waere, aber so masochistisch bin ich dann doch nicht veranlagt. Wenn es wenigstens huebsche Nonnen gaebe... aber hier rennen nur Moenche rum... Oder wenigstens Meditationstexte in Englisch, damit man nicht nur so tut als wuerde man meditieren...
Nene, das Geld spare ich mir und fahre weiter nach Norden nach Tayama.


Auf dem letzten Bild kann man einen kleinen Schrein sehen auf dem Kinder ihre persoenlichen Sachen fuer irgendwas geopftert haben. Sogar ein Snoopy ist dabei! Wie niedlich!
Kurz vor Tayama ist mir dann dieses Ufo begegnet:

Ist riesig gross, aber wohl eher ein Stadion, Flughafen oder sowas. Bin aber ziemlich erschrocken als das Ding auf einmal in der Landschaft "auftauchte".

In Tayama gibt es auch wieder ein Comfort Inn Hotel, also (neben Dusche und Waschmaschine) auch wieder einen PC wo ich dann diesen Text schreiben kann. Von hier aus werde ich dann in einem Bogen ueber Nagano (ehemalige Winter Olympiade Stadt) nach Tokyo fahren. Was dann allerdings in Tokyo abgeht weiss ich noch nicht. Eigentlich plante ich dort eine Woche in die Metropole einzutauchen. Aber wenn ich an Osaka denke, dann habe ich da keinen Bock drauf. Die Japanischen Grossstaedte sind so ziemlich das Gegenteil zu den Japanischen Landschaften. Alles zubetoniert, eng, stinkend, ueberfuellt und zu allem Ueberfluss versteht man kein Strassenschild und hat staendig Angst verloren zu gehen. Da kann man sich nur schwer gehen lassen geschweige denn irgendeine Party finden und geniessen...
Naja, mal sehen wie Tokyo ist, vielleicht gefaellts mir ja...
Wenn nicht werde ich versuchen ob ich meinen Flug nach Darwin um ein paar Tage vorverschieben kann um mehr Zeit in Australien zu haben.

Fr, 1.9.2006:
Aufbruch von Toyama am fruehen Morgen. Gegen Mittag bin ich hier in Nagano angekommen. Man merkt das dies eine ehemalige Winter-Olympiade Stadt ist. Trotz der geringen Stadtgroesse hat es einen Shinkansenbahnhof, einen eigenen Expressway und ein endlos langes Tunnelsystem um hierher zu gelangen. Fuer diese Kleinstadt voellig uebertrieben, vielleicht natuerlich im Winter wenn es Schnee gibt, gut genutzt. Ausserdem hat es hier gerade mal 19 Grad, also fast 20 Grad weniger als in Fukuoka als ich dort vor 3 Wochen ankam! Ich werde wohl zum ersten Mal keine Air-Condition brauchen und stattdessen meinen Pulli auspacken. Das emfinde ich als angenehme Abwechslung, obwohl es schon 25 Grad haben duerfte...
Hier scheint nicht viel los zu sein, genau wie in Toyama. Aber ich habe bereits ein Internet Cafe gefunden. Dort werde ich nachher mal ein wenig Filme anschauen oder irgendwas zocken. Das vermisse ich inzwischen sehr... (Entzugserscheinungen!?)


Ich habe dort 5 Stunden lang Sci-Fi DVDs geschaut. Super Klasse! Hat mich sehr relaxed. Jetzt ist mein Heimweh verflogen...
Wer braucht schon Freunde!? ... Pah!

Sa, 2.9.2006:
Von Nagono bin ich dann nach Nikko gefahren und habe dabei vorher eine Zwischenstation in Kegon Falls gemacht. Die Fahrtdauer habe ich mal wieder ziemlich unterschaetzt (Scheiss Sonntagsfahrer!). Zuerst habe ich einen falschen Wasserfall fuer den Kegon Fall gehalten und war auch etwas entaeuscht von seiner geringen Groesse. War aber trotzdem ganz interessant.


Die echten Kegon Falls waren da schon etwas beeindruckender. Dafuer konnte man sie nur aus grosser Entfernung betrachten :(


Um 17:00 bin ich dann in Nikko angekommen. So gerade eben zu spaet fuer die ganzen Tempel und Museums Besichtigungen! :(
Irgendwie hatte ich keinen Bock mir ein Hotel zu suchen und hab mir stattdessen ein kleines abgelegenes Fleckchen zum Zelten gesucht. Immerhin ist dies alles noch ein Naturschutz Park, also sollte es genuegend "Wildnis" zum Campen geben. Ich bin einfach einem kleinen Weg bis zum Ende gefolgt. Dort war dann ein einsamer buddhistischer Friedhof, ein paar voellig verwilderte Edo Gaerten und viel Wald mit einem rauschenden kleinen Bach mit einem kleinen Wasserfall. Ausserdem war es immer noch recht kuehl (28 Grad), so dass Zelten eigentlich kein Problem war.
Leider hatte ich unterschaetzt wie gruselig ein Waldstueck direkt neben einem Friedhof sein kann. Insbesondere wenn es in dem Wald viele Tiere gibt, der Wasserfall sehr laut rauscht und es irgendwelche "explodierenden Knospen" gibt! Ich hab keine Ahnung was genau da staendig knallte, aber ich konnte es die ganze Nacht hoeren. Wie kleine China Boeller in etwa 100m Entfernung. Seeeeehr gruselig! War fast wie Blairwitch...
Ich glaube wenn jemand an mein Zelt gekommen waere, dann haette ich ihn sofort aus Panik in Notwehr erschlagen!...



So, 3.9.2006:
Diesen Morgen geht es ganz frueh rein nach Nikko. Dort gibt es Museen, Schreine, Tempel und das Mausuleum von Nikko, dem ersten Shogun. Es ist so eine Art Japanisches Heiligtum... und das habe ich dann auch deutlich bemerkt. Es gab keinerlei englischsprachige Information. Ich hatte nicht die blasseste Ahnung was ich gerade anschaue. Die Preise waren ausserdem auch ziemlich saftig und fotographieren natuerlich fast ueberall verboten (man konnte die Bilder aber natuerlich fuer viel Geld kaufen!). Als ich dann irgendwann 500 Yen (~3,50 Euro) ausgegeben habe und dafuer lediglich einen winzigen Schrein ohne jegliche Information zu sehen bekam, wurde ich ziemlich stinkig. Ich haette mich ja beschwert, aber die sprachen wirklich alle kein Englisch! Was mich daran erzuernte war dass sie stolz "WORLD Cultural Heritage" drauf schreiben, aber dann nur japanische Info dazu liefern. Fuer den Preis (insgesammt ueber 2000 Yen == 14.- Euro) war das unverschaemt! Trotzdem waren sehr schone Bauwerke dabei und ich habe eine Menge Fotos gemacht:

Anbei noch zwei Schnappschuesse:
Eine Stabheuschrecke die mir in Nikko ueber den Weg lief. Ich waere fast drauf getreten weil ich es im ersten Moment fuer einen Ast gehalten hatte. Aber dann hat die Heuschrecke ihren Tarnwurf kritisch versemmelt und sich bewegt und ich habe sie gesehen...
Und darunter noch den Japaner mit dem aetzensten Job des Monats: Im Pinguin Kostuem in der prallen Sonne an einer Landstrasse stehen und Autofahrer freundlich in ein Geschaeft winken. Und ich glaube nicht dass er bei 37 Grad Hitzefrei bekommt, denn der Pinguin soll wohl irgendeine Abkuehlung repraesentieren...



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